Christoph Marzi - Trilogie um Emily Laing

Die Trilogie von Marzi, beginnend mit Lycidas, handelt vorwiegend in London. Doch geht die Geschichte im zweiten Band nach Paris (Lilith) und im dritten Band nach Prag (Lumen).

Marzi hat dabei eine ausgesprochen große Orts- und Menschenkunde, sodass man wirklich den Unterschied der drei Großstädte miterleben und nachvollziehen kann.

Emily Laing ist ein einfaches Mädchen aus London. Sie lebt in einem Waisenhaus in Rotherhithe, das ziemlich grausam und gemein ist zu den Kindern. Emily fehlt ein Auge, welches ihr in dem Heim im Alter von 6 Jahren ausgeschlagen wurde - aus Versehen zwar, aber dennoch geschehen. Ersetzt wurde es mit einem Glasauge.

Emily ist zu Beginn der Geschichte gerade einmal 12 Jahre alt. Und in ihrem sonst so tristen, grausamen, einsamen Leben geschieht etwas ungewöhnliches - eine Ratte spricht zu ihr und stellt sich als Hyronimus vor. Er erzählt ihr, dass das neue Kind dieses Heimes - Mara Mushroom - von ihr bewacht werden müsse. Daraufhin verschwand die Ratte und lies Emily wieder allein. Am selben Abend geschah dann etwas: Schreie und splitterndes Fensterglas waren zu hören, jemand drang in das Zimmer der Neuzugänge ein. Es knurrte. Das rothaarige Mädchen rannte nach oben und erblickte eine fürchterliche Gestalt, einen Werwolf, der dabei war, die kleine Mara zu entführen. An diesem Abend gelang Emily die Flucht aus dem Weisenhaus, die ihr während des ganzen Durcheinanders glückte, dass Maras Entführung auslöste. Hyronimus und weitere Ratten retteten Emily vor dem Wolfsjungen, bis sie schließlich auf Wittgenstein, einen Alchemisten traf.

Und hier beginnt die Geschichte, um Emily, Mara und Wittgenstein. eine faszinierende Geschichte, die die Realität mit der Fantasie so glaubhaft verknüpft, dass man es durchaus für wahr halten könnte, auch wenn man weiß, dass es das nicht ist. Ob man nun auf den Elfen Maurice trifft oder in die Uralte Metropole hinabsteigt, ob es in die Hölle geht oder man die Erzengel trifft - alles scheint in diesem Buch möglich zu sein. Trotz aller Fantasie spart Marzi die harte Welt der Realität nicht aus. Und lässt sie mit voller Kraft auf die Protagonistin und ihre Freunde auftreffen. Denn eines kann man sagen - nett ist diese Geschichte oftmals nicht. Aber mit einem Ende, dass mich persönlich vollauf begeistert hat.

Christoph Marzi schreibt in einer hochinteressanten Weise. Er beginnt irgendwo in der Geschichte, erzählt kurz etwas dazu und schwenkt dann rückblickend zu den Ereignissen, die dort bereits geschehen waren, aber den Großteil des Buches einnehmen. Schließlich kehrt er zum "Anfang" zurück, löst alles auf, soweit es ihm zu diesem Zeitpunkt beliebt und verfährt in ähnlicher Art von neuem. Entweder in demselben Buch oder in den folgenden. Dabei löst er immer mehr auf und fügt so geschickt neue Handlungen ein, die erst fast zum Schluss das Bild wirklich abrunden, ohne dass man gemerkt hat, welche Tiefen und Untiefen sich noch in der Geschichte verstecken, sodass man jedes Mal erneut überrascht wird.

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