Rezensionen

Sonntag, 29. Juni 2008

Christoph Marzi - Trilogie um Emily Laing

Die Trilogie von Marzi, beginnend mit Lycidas, handelt vorwiegend in London. Doch geht die Geschichte im zweiten Band nach Paris (Lilith) und im dritten Band nach Prag (Lumen).

Marzi hat dabei eine ausgesprochen große Orts- und Menschenkunde, sodass man wirklich den Unterschied der drei Großstädte miterleben und nachvollziehen kann.

Emily Laing ist ein einfaches Mädchen aus London. Sie lebt in einem Waisenhaus in Rotherhithe, das ziemlich grausam und gemein ist zu den Kindern. Emily fehlt ein Auge, welches ihr in dem Heim im Alter von 6 Jahren ausgeschlagen wurde - aus Versehen zwar, aber dennoch geschehen. Ersetzt wurde es mit einem Glasauge.

Emily ist zu Beginn der Geschichte gerade einmal 12 Jahre alt. Und in ihrem sonst so tristen, grausamen, einsamen Leben geschieht etwas ungewöhnliches - eine Ratte spricht zu ihr und stellt sich als Hyronimus vor. Er erzählt ihr, dass das neue Kind dieses Heimes - Mara Mushroom - von ihr bewacht werden müsse. Daraufhin verschwand die Ratte und lies Emily wieder allein. Am selben Abend geschah dann etwas: Schreie und splitterndes Fensterglas waren zu hören, jemand drang in das Zimmer der Neuzugänge ein. Es knurrte. Das rothaarige Mädchen rannte nach oben und erblickte eine fürchterliche Gestalt, einen Werwolf, der dabei war, die kleine Mara zu entführen. An diesem Abend gelang Emily die Flucht aus dem Weisenhaus, die ihr während des ganzen Durcheinanders glückte, dass Maras Entführung auslöste. Hyronimus und weitere Ratten retteten Emily vor dem Wolfsjungen, bis sie schließlich auf Wittgenstein, einen Alchemisten traf.

Und hier beginnt die Geschichte, um Emily, Mara und Wittgenstein. eine faszinierende Geschichte, die die Realität mit der Fantasie so glaubhaft verknüpft, dass man es durchaus für wahr halten könnte, auch wenn man weiß, dass es das nicht ist. Ob man nun auf den Elfen Maurice trifft oder in die Uralte Metropole hinabsteigt, ob es in die Hölle geht oder man die Erzengel trifft - alles scheint in diesem Buch möglich zu sein. Trotz aller Fantasie spart Marzi die harte Welt der Realität nicht aus. Und lässt sie mit voller Kraft auf die Protagonistin und ihre Freunde auftreffen. Denn eines kann man sagen - nett ist diese Geschichte oftmals nicht. Aber mit einem Ende, dass mich persönlich vollauf begeistert hat.

Christoph Marzi schreibt in einer hochinteressanten Weise. Er beginnt irgendwo in der Geschichte, erzählt kurz etwas dazu und schwenkt dann rückblickend zu den Ereignissen, die dort bereits geschehen waren, aber den Großteil des Buches einnehmen. Schließlich kehrt er zum "Anfang" zurück, löst alles auf, soweit es ihm zu diesem Zeitpunkt beliebt und verfährt in ähnlicher Art von neuem. Entweder in demselben Buch oder in den folgenden. Dabei löst er immer mehr auf und fügt so geschickt neue Handlungen ein, die erst fast zum Schluss das Bild wirklich abrunden, ohne dass man gemerkt hat, welche Tiefen und Untiefen sich noch in der Geschichte verstecken, sodass man jedes Mal erneut überrascht wird.

Montag, 2. Juni 2008

Walter Moers - Die Stadt der träumenden Bücher

Walter Moers schuf ein Werk voller Unglaublichkeit. Voller Fantasie. Voller Humor und Tragik. Und für mich schuf er das Buch, das mir am meisten gefällt, mit am meisten bedeutet und für mich mit zu den besten Büchern überhaupt zählt und vielleicht sogar ganz persönlich mein absoluter Liebling ist.

Der Roman spielt in Zamonien. Und Walter Moers tut so, als wenn Hildegunst von Mythenmetz - der Protagonist der Geschichte - dieses Buch verfasst hätte und Herr Moers hätte es lediglich aus dem Zamonischen übertragen.

Der junge Dichter Mythenmetz lebt ein unbeschwertes, normal-zamonisches Dichterleben. Bis sein Pate stirbt und ihm ein Manuskript hinterlässt, dass es in sich hat. Dieses Manuskript ist so perfekt geschrieben, dass es Hildegunst nur so schmerzt. Er liest es mit einer Wonne und durchlebt die Geschichte so voller Gefühle, wie man sie nur erleben kann. Schließlich ist er so gefesselt von diesem Stil, dieser Perfektion, dass er selbst nicht mehr schreiben und dichten kann. In ihm wächst der Zwang, den Dichter zu finden, der dieses perfekte Schriftstück verfasst hat. Und hier beginnt sein eigentliches Abenteuer.

Seine Reise verschlägt ihn nach Buchhaim, in der er den Autor zu finden hofft bzw. wenigstens eine Spur von ihm. Denn es ist die Stadt der Bücher und der Autoren, sowie der Träumenden Bücher. Und dort wird er hineingerissen in eine Welt, in der Lesen gefährlich ist, wo Bücherjäger rücksichtslos nach Schätzen jagen, in denen kleine Buchlinge auftauchen und in der es eine Welt unter der Stadt gibt, die noch gefährlicher, noch fesselnder ist, bis er schließlich...

Moers Schreibstil in diesem Buch ist schlichtweg genial. Allein der Einstieg schafft so viel Interesse, dass es einen umhaut. Und seiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

"Hier fängt die Geschichte an. Sie erzählt, wie ich in den Besitz des Blutigen Buches kam und das Orm erwarb. Es ist keine Geschichte für Leute mit dünner Haut und schwachen Nerven - welchen ich auch gleich empfehlen möchte, dieses Buch wieder zurück auf den Stapel zu legen und sich in die Kinderbuch-Abteilung zu verkrümeln. Husch, husch, verschwindet, ihr Kamillenteetrinker und Heulsusen, ihr Waschlappen und Schmiegehäschen, hier handelt es sich um eine Geschichte über einen Ort, an dem das Lesen noch ein echtes Abenteuer ist. ... Ja, ich rede von einem Ort, wo einen das Lesen in den Wahnsinn treiben kann. Wo Bücher verletzen, vergiften, ja, sogar töten können. Nur wer wirklich bereit ist, für die Lektüre dieses Buches derartige Risiken in Kauf zu nehmen, wer sein Leben auf's Spiel setzen will, um an meiner Geschichte teilzuhaben, der sollte mir folgen. Allen anderen gratuliere ich zu ihrer feigen, aber gesunden Entscheidung, zurückzubleiben. Macht's gut, ihr Memmen! Ich wünsche euch ein langes und sterbenslangweiliges Dasein und winke euch mit diesem Satz Adieu!"

Und hier noch einen kurzen Ausschnitt aus meiner Lieblingsszene:

"Er baute einen Palast für die Erfrorenen, vollständig aus Schnee und Eis, und er bevölkerte ihn mit Schneekristallen, die durch seine gefrorenen Korridore schwebten und sie mit ihrem klirrenden Singsang erhellten.
Er legte einen Sumpf für Wasserleichen an, auf dem ertrunkene Kinder friedlich auf Seerosenblättern dahintreiben und Freunde der Frösche und Wasserlilien werden konnten.
...
Eines Tages betrachtete ... sein Bild im Spiegel. ... Und er dachte: Ich will so werden wie dieses Wesen im Spiegel. Ich will genauso gut das Leben imitieren können. Ich will genauso einsam sein."

Dienstag, 6. Mai 2008

Hape Kerkeling - Ich bin dann mal weg

Hape Kerkeling hat mit "Ich bin dann mal weg - Meine Reise auf dem Jakobsweg" ein wirklich charmantes Buch veröffentlicht.

Hape "Ich muss nicht tanzen, ich bin Bestsellerautor" stiefelte am 09. Juni 2001 von Saint-Jean-Pied-de Port in Frankreich - Am Anfang des Jakobsweges - los und kam am 20. Juli 2001 in Santiago de Compostela an.

Während dieser Zeit führte er Tagebuch, dass man nunmehr als wundervolles, charmantes, humorvolles und interessantes Buch lesen kann. Er beschreibt darin seine gesamte Reise auf dem Jakobsweg, die Menschen, die er kennen gelernt hat, die Ereignisse, die ihm passiert sind und die Gründe, warum er eigentlich aufbrach und welche Erkenntnisse, Gedanken, Gefühle und Erinnerungen ihm in dieser Zeit gekommen sind.

Das ihm dabei seine Sprachkenntnisse in Spanisch, Französisch, Englisch, Italienisch und Holländisch geholfen haben steht außer Frage. Aber es scheint ein sehr schwieriger Weg, mitunter gefährlich, aber wie er es schreibt und beschreibt - dieser Weg ist jede Strapaze Wert.

Versehen ist das Werk mit seiner Wanderkarte und vielen persönlichen Bildern der Reise.

Ich kann euch das Buch wärmstes Empfehlen, denn es ist kein langweiliges Einerlei, sondern mit wirklichen Gedanken und Gefühlen dahinter, die mehr als interessant sind und mich persönlich angeregt haben, eines Tages, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, auch diesen Weg zu bestreiten. Bis dahin lern ich aber noch Spanisch...

"Dieser Weg ist hart und wundervoll. Er ist eine Herausforderung und eine Einladung. Er macht dich kaputt und leer. Und er baut dich wieder auf. Er nimmt dir alle Kraft und gibt sie dir dreifach zurück."

Freitag, 21. März 2008

Paulo Coehlo - Der Alchimist

Es wird Zeit für eine neue Kategorie: Die Rezension =) Da ich sehr gern lese, werde ich euch das ein oder andere Buch, das ich so im Laufe der Jahre gelesen habe, an dieser Stelle vorstellen. Und vielleicht entsteht ja die ein oder andere literarische Diskussion daraus, das würde mich freuen.

Paulo Coehlo - Der Alchimist

Coelho ist ein Autor der besonderen Art, mit sehr viel Tiefsinn, dem Gefühl für Wahrheiten und Liebe und dem großen Talent, die einfachen Dinge des Lebens und die großen Fragen und (möglichen) Wahrheiten gleichsam darzustellen.

"Der Alchimist" erzählt hauptsächlich von dem spanischen Jüngling Santiago, der nach einem wiederkehrenden Traum sein altes Leben als Schäfer aufgibt, um nach einem Schatz in Ägypten zu suchen. Denn dies ist sein persönlicher Lebensweg.
Auf seiner Reise lernt er viele Menschen kennen, ihm geschehen gute wie auch schlechte Dinge, doch aus allem schöpft er eine einfache, aber großartige Weisheit. Er lernt einen König kennen, einen Dieb, einen Engländer, eine Wüstenfrau und viele viele mehr. Er arbeitet in einem Glaswarengeschäft, durchquert die Wüste, wird beraubt, auf die Probe gestellt.
Doch bei all den Ereignissen, gut wie schlecht, scheint er immer etwas großes zu lernen: Vom einfachen Sandkorn über das Verhalten von Schafen bis hin zum Flug von Sperbern oder dem Reinigen von Gläsern und welche Bedeutung diese Sachen in der universellen Sprache und damit auch für das eigene Leben haben.

Coelho’s Alchimist ist ein wundervolles Buch über Hoffnung, Glaube, Mut, Stärke, Verlust, Gewinn und Liebe. Es ist ein Buch, dass sicher jeder einmal gelesen haben sollte und gehört meines Erachtens zu den besten Romanen, die es gibt.

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10.03.1986

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Stolz und Vorurteil

Dan Brown
Die Säulen der Erde

E.M. Forster
Wiedersehen in Howards End

Listening

Mando Diao, The Hives, Wir Sind Helden, Clueso, Snow Patrol, The Fray, The Strokes

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